Pierres himmlischer Besuch PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Freitag, den 03. September 2010 um 10:34 Uhr

1. Pierres himmlischer Besuch

Eines Nachts werde ich aus meinem Tiefschlaf gerissen: „Pierre, alter Penner, wach endlich auf, ich habe nicht ewig Zeit!“

Schnell wird mir klar, es ist kein Traum, sondern Wirklichkeit. Da ich allein ins Bett gegangen bin, kann es sich bei der Stimme nur um einen Einbrecher handeln. Ach du Scheiße. Mir fallen die letzten „Aktenzeichen XY“ Sendungen ein und mir wird angst und bange.

„Pierre, wenn du jetzt nicht sofort aufwachst, werde ich sauer.“ Die Drohung in der Stimme ist unüberhörbar.

„Okay denke ich und öffne ein Auge. Ich sehe einen Engel, mit Flügel, Schleier und dem üblichen Programm, was eben zur Ausrüstung dieser Abteilung dazugehört.

Ich kann mich in diesem Moment nicht entscheiden, ob ich in Ohnmacht fallen oder mich für verrückt erklären soll. Ich habe allerdings auch keine Zeit, mir darüber Gedanken zu machen, denn der Engel hat sich inzwischen an mein Bett gesetzt und fängt mit singender Stimme an zu erklären, warum er zu mir gekommen ist: „ Gestatten, Engel Florian ist mein Name. Mein Chef kam zur Kontrolle an deiner Erde vorbei. Was er sah, hat ihn nicht gerade aus den Socken gehauen. Ihr Menschen haut euch immer noch gegenseitig den Schädel ein, beutet schonungslos schwache Völker aus und zerstört die schöne Erde. Er sagte zu mir, er wäre sehr verwundert, denn er hätte doch erst kürzlich Jesus vorbeigeschickt, um die Sache zu erledigen. Aber irgendwie scheinen die Menschen das Projekt nicht verstanden zu haben. Er wollte auf Erden ein Paradies schaffen, aber was er sah, ähnelte eher einem Gruselkabinett. Deshalb bin ich zu dir geschickt worden. Du sollst mir erzählen, was bei euch denn so falsch läuft.“

Jetzt muss ich lachen, denn ich komme mir wie im falschen Film vor. Diese Geschichte glaubt mir sowieso kein Mensch, aber da der Engel nun einmal da ist, muss ich klaren Kopf bewahren: „Wenn du erfährst, wie durchgeknallt die Menschen sind, wirst du so schnell abflattern, dass deine flotten Flügel versengt sind, bevor du den Himmel erreichst. Ich befürchte, dass dein Boss nicht sehr entzückt sein wird über das, was ich dir erzählen werde.“

„Mach dir darüber keine Gedanken, der ist hart gesotten“.

„Also, lass mich kurz überlegen. Okay, ich glaube ich hab`s. Die ganze Erde spinnt zurzeit gewaltig. Ich erzähle Dir die Hauptprobleme erst mal in Kurzfassung: Wirtschaftskrise, Armut, Zerstörung der Umwelt, Kriege, Hungersnot, Überbevölkerung.“ Florian sieht mich fassungslos an. Mit stotternder Stimme fragt er vorsichtig „War`s das?“

„Nun ja, wenn du mir noch etwas Zeit lässt, finde ich bestimmt noch einiges mehr, aber ich will nicht, dass dein Chef und du zu schockiert seid.

Es gibt ja auch einen Teil der Welt, wo die Menschen keine Probleme haben. Die schwimmen im Geld, saufen Champus ohne Ende, langweilen sich entspannt am Strand und lassen sich von morgens bis abends bedienen. Aber das ist, prozentual, ein sehr kleiner Teil.“

Ich betracht Florian. Er wirkt sehr deprimiert auf mich und er überlegt intensiv. Florian murmelt „der Fall ist schwieriger als ich erwartet habe, Hmmm.“

Leise tickt eine Uhr. Irgendein Wasserhahn tropft nervend: Plop, Plop, Plop… . Sonst stille.

Auf einmal wird Florian durch eine gewaltige Helligkeit durchstrahlt und fängt an, in fast mystischer Stimme: „Also mein Chef gibt mir gerade durch, es wird ein Großprojekt. Ich komme so um diese Zeit jede Nacht vorbei und wir gehen die Sachen Punkt für Punkt durch. Du schreibst dann in deiner Zeitung und überall, wo es möglich ist, wie ihr Menschen die Probleme lösen könnt. Denn er sieht das echt nicht ein, dass ihr so einen tollen Planeten bekommen habt und ihr das dann zerstört. Mein Chef hat das so doll hin gekriegt und ihr führt euch auf wie unanständige Kinder.

Du, Pierre bist engagiert.“

Das ist zu viel für mich. Das gibt es doch gar nicht. Ich, Pierre, als himmlischer Reporter. Wenn ich das einem erzähle, stecken die mich gleich in die Klapse. Florian scheint meine Fassungslosigkeit sehr zu amüsieren, denn er lacht sich halb tot. „Lieber Pierre, beim ersten Mal ist das, für jedes neues Mitglied bei uns, schon überwältigend. Aber du wirst dich daran gewöhnen.“

Ob ich mich daran gewöhnen kann, wage ich zu bezweifeln, aber eine neue Herausforderung kann auch nicht schaden.

„Gut Florian, ich mach mit, aber jetzt muss ich erst mal darüber schlafen, ich bin jetzt so verdammt müde“

„Schlaf gut Pierre, bis morgen.“

Duden Korrektor PLUS - 09.03.2009 08:37:02

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 07. November 2011 um 10:27 Uhr